Frühling, das heißt: Säen.
Tausendfach werden Körner in die Erde gelegt.
Ein Bild für das Geheimnis von Leben und Sterben:
Das kleine, unscheinbare Korn muss in die dunkle Erde. Es kennt nur diesen Weg. Es muss in die Dunkelheit, sich verstecken, sterben.
Dann - und nur dann - bringt es zahlreiche Frucht. Nahrung. Leben.
"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht" (Joh 12,24)
- Jesus weiß um das Geheimnis von Leben und Sterben.
Ebenso folgende Geschichte:
Ein Weizenkorn versteckte sich. Es wollte nicht gesät werden. Es wollte nicht sterben. Es wollte sein Leben retten.
Es wurde nie zu Brot, es kam nie auf den Tisch. Es wurde nie gesegnet und ausgeteilt. Es schenkte nie Leben. Es schenkte nie Freude.
Eines Tages kam der Bauer. Mit dem Staub der Scheune fegte er auch das Weizenkorn hinweg…
Die Botschaft von Karfreitag und Ostern sagt uns das Gleiche wie das Weizenkorn: Durch den Tod hindurch wächst neues Leben. Das Eine geht nicht ohne das andere -
tiefe Lebenswahrheit, gegen die wir uns sträuben. Unser Glaube gibt uns Mut, es zuzulassen:
Ich halte ein Samenkorn in der Hand.
Mein einziges Korn.
Sie sagen, ich soll das Korn in die Erde legen.
ich muss mein Korn schützen, mein einziges Korn.
ich habe nie erlebt, dass es Frühling gibt.
Sie sagen, es wächst neues Leben aus dem Korn.
ich verliere mein Korn, mein einziges Korn.
Ich habe nie erlebt, dass es Frühling gibt.
Sie sagen, ich muss mein Korn riskieren, mein einziges Korn.
Aber ich habe nie Frühling erlebt.
Mein Geliebter sagt: es gibt Frühling!
Ich lege mein Korn in die Erde.
(Rainer Kunze)